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Oulu, Finnland

Oulu, Finnland

Aufgenommen am 29.05.2015

Stadtstruktur
Auch die ‘nördlichste Großstadt’ der EU ist eingehend beschrieben, so dass ich auch hier (wie bei weiteren größeren Städten) auf die Beschreibung der Stadtstruktur verzichten werde.

Für mich auffällig war, dass die Stadt wenig Räume zur See oder den angeschlossenen Gewässern aufweist, selbst der direkt am Wasser liegende Marktplatz mit seinem Schauspielhaus ist merkwürdig abgewendet vom Wasser.

Farbigkeit:
Angefangen mit der Fußgängerzone im Zentrum, der ähnlich zu Rovaniemi und Kuopio orthogonal gerasterten Innenstadt, fällt auf, dass trotz der erwartungsgemäß hohen Dichte an CI-getriebenen Fassadengestaltungen des Einzelhandels die Bauten deutlich stärkere Bezüge zu den Farbigkeiten und Materialitäten des ländlichen Raums aufzeigen als die Bauten vorgenannten Städte.
Immer wieder sind es vor allem verputzte, in den mittleweile bekannten Ocker-Sand-Gelbtönen gehaltene, Gebäude, die der Innenstadt und Fußgängerzone eine farbliche Gewichtung und Ausrichtung verleihen, die tatsächlich eindeutige Bezüge zur ländlichen Farbgebung aufweisen.

Was noch erstaunlicher ist, ist dass sich dieser Eindruck entlang der untersuchten Nord-Süd-Achse immer weiter verdichtete: Ebenfalls die innenstadtnahen, mehrgeschossigen Wohnbauten, bis hin zu den (sehr nordamerikanisch wirkenden) Einfamilienhaussiedlungen, sind sehr auffällig in den bekannten Farbtönungen anzutreffen.

Aufwendig resaturierte oder ertüchtigte ältere Holzbauten sind über ganze Straßenzüge abwechslend in den hier immer wieder genannten Farben angelegt.

Lediglich eine -ebenfalls auffällige- Zone zwischen der ökonomisch attraktiven Innenstadtlage und dem Rand der gerasterten Bebauung wirkte hier unentschlossener, oder entkoppelter. Diese Zone grenzt an den Straßenring nahe dem Bahnhof, der wie alle bislang in Finnland aufgenommenen Bahnhöfe kaum an farblicher, wie baulicher unaufgeregtheit zu überbieten sein dürfte. Einen Übertragung der Idee eines ‘Stadttores’ wie es auf viele zentraleuropäische zutreffen mag, kann man hier getrost vergessen.

Einen ebenfalls interessanten Ausreisser bildet die Universität, die in stark gesättigten und bunt kontratsierenden Farben ausbricht, während die Wohnheime in der direkten Nachbarschaft wiederum die bekannten Farbigkeiten, wenn auch ein wenig gesättigter, aufweisen.

Die Farbbigkeit der Universität ist wahrscheinlich zu einem großen Teil der Wiedererkennbarkeit von Fachrichtungen und Gebäudeteilen geschuldet, da die Architektur in ihrer Erscheinung wenig varriert und die stark bunten und gesättigten Farbgebungen lockern die harsche Materialität der Funktionsbauten merklich auf, Dennoch ist vor allem die Buntigkeit der Universitätsgebäude eine augenfällige Besonderheit.

Materialität:
Auch hier brauche ich mich nicht zu wiederholen, die Materilität der untersuchten Gebiete Oulus für sich sind absolut vergleichbar zu den Pendants Rovaniemies, auch wenn die Farbigkeit anders bezogen und gewichtet (beheimatet?) ist.

Es lässt sich eher durch das Alter des Schauspielhauses (1972) und der Universitätsgebäude (vermutlich mitte 1960er bis 1970er Jahre) begründen, dass beide Gebäude mit Beton/Sichtbetonfassaden eine bislang auf der Nord-Süd-Achse ungesehene Materialität in so ausgeprägter deutlichkeit aufweisen.

Die formale Monotonie der suburbanen Einfamilienhaussiedlungen ist unabhängig von der Materialität erdrückend.

Insgesamt bleibt der subjetiver Eindruck einer tatsächlich ‘farbbeheimateten’ Großstadt hängen, ein Indiz auf dessen Spur ich mich in der Analyse der Ergebnisse mit Spannung konzentrieren werde.

Und, ebenfalls völlig subjektiv, vermittelte Oulu eine sympathische Lebendigkeit, die natürlich geprägt vom universitären Leben, der größe der Stadt und dem offensichtlichen reichen kulturellen Angebot geprägt ist.