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Rovaniemi, Finnland

Rovaniemi, Finnland

Aufgenommen am 28.05.2015

Stadtstruktur:
Durch den gut dokumentierten und allgemein zugänglichen Informationen zum Wiederaufbau Rovaniemis nach den Zerstörungen durch die deutschen Truppen im zweiten Weltkrieg verzichte ich auf eine ausführliche Beschreibung der Stadtstruktur und Lage.

Das Wirken Alvar Aaltos zusammen mit den Architekten Viljo Revell, Yrjö Lindegren, Bertel Saarnio und Markus Tavio ist allgegenwärtig und deutlich ablesbar.

Einzig eine Bemerkung: Obwohl der Stadtkörper kaum Öffentlichkeit oder räumliche Angebote zum Fluss hin entwickelt, war es augenfällig wie stark das Flussufer von den Einwohnern zur Erholung und Sport genutzt wurde.

Farbigkeiten:
Rovaniemi ist durch seine Größe natürlich nicht direkt vergleichbar mit den bisher besuchten Städten. Erwartungsgemäß spreizen sich Farbigkeit, Erscheinung, Anmutung und Materialität zwischen den innerstädtischen Bebauungen und den Wohngebiten in Randlage viel stärker auf, bzw. entwickeln ihre eigenen räumlichen Zusammenhänge und Bezugssysteme, allein durch die Größe der jeweiligen Viertel.

An diesem Punkt wird es auch für meine Untersuchung Interessant in wie weit sich eine bisher eventuell zu beschreibende, durch den ländlichen Raum geprägte, ‘Farbheimat’ in den innerstädtischen Vierteln wiedererkennen lässt.

Wie bereits geschrieben, kann ich, von der Reise berichtend, nur ungeprüfte Beobachtungen wiedergeben, ich bin selber gespannt ob sich meine Beobachtungen in der Auswertung der Panoramen bestätigt.

Im der orthogonal gerasterten Innenstadt herrscht ein, die Farbigkeit der Gebäude überspielender, Materialmix, der scheinbar durch mehrere Lagen an Nachbesserungen und Modernisierungen der ursprünglichen Bebauungen für eine ausnehmende Heterogenität sorgt.

Während Gebäude, die entweder im ursprünglichen Zustand erhalten worden sind oder keine sonderliche Modernisierung erfahren haben, durchaus in miteinander korrespondierenden Farbigkeiten gehalten sind, so zeichnen sich die überarbeiteten und neu hinzugekommen Gebäude häufig durch eine offensichtliche Unabhängigkeit zum ‘Bestand’ der 1940er und -50er Jahre aus.

Die Gebäude mit offensichtlich ‘alter’ Farbgebung und Materialität weisen am häufigsten die bekannten sand-senffarbigen Flächen auf, häufig begleitet von dunkelrot gebrannten Ziegelsteinflächen und akzentuierenden Holzverkleidungen an streng horizontal liegenden Fensterbändern und Eingangsbereichen. Die Sand-Senffarben (Ich bitte diese Wortwahl zu entschuldigen, aber mit fällt keine bessere Benennung ein.) werden zu kleineren Anteilen im Innenstadtbereich durch die benflass bereits beschriebenen Blau-, und Grüntöne variiert.

Der zweite, mengenmässig vielleicht zur Hälfte auftretende, Farbwahl der die Innenstadt betreffenden ‘ursprünglichen’ Gebäude ist wiederum ein helles, strahlendes Weiß als Grundfarbton, akzentuiert durch dunkle Grau- und Brauntöne der Fensterbänder.

Die neueren Geschoßwohnbauten und Geschäftsgebäude der Innenstadt, sowie im ‘ersten’ Gürtel um diese herum teilen sich die Farbigkeiten gefühlt hälftig in hellen Weißtönen und rot- bis rotbraun gebrannten Ziegelstein-Verklinkerungen auf.

Je weiter man die Betrachtung aus dem Innenstadtkern nach außen verlagert, umso variantenrteicher werden die frablichen Akzentuierungen zum dort vorherrschenden weiß. Die Farbtöne der Akzentuierungen sind häufig pastellfarbig gebrochen. Gelb, Mint und Lindgrün waren häufiger zu beobachten.

Shoppingmalls und Einkaufszentren (-welche durch die Klimabedingungen eine völlig andere Legitimation erfahren da sie in den Wintermonaten wohl die einzigen Orte sind an denen ‘wirkliche’ Öffentlichkeit stattfinden kann-) sind erwartungsgemäß pragmatisch gefärbt, Grau- und Weißtöne als Passepartout für Reklametafeln. Interessant ist, dass eine der größten innerstädtischen Shoppingmalls in der Detailierung der Fassade farbliche Akzente analog zum vorherrschenden Rot, Grün und Blau der ländlichen Holzbebauung aufwies. Der Bezug wird sogar durch die formale Anlehnung an Fassadenelemente der ländlichen Architektur überhöht. (Vermutlich angedeutete Lüftungsgitter der bungalowartigen Holzwohnhäuser.)

Die Einfamilienhäuser in den enstprechenden Vierteln sind größtenteils holzverkleidet und in den hinlänglich beschriebenen Tönen: Sand/Senf, Grün, Blau und Rot gehalten.
Hier setzt sich am ehesten eine farbige Bezugnahme zum ländlichen Raum durch, die erstaunlich variationsarm übernommen wird obgleich in den innenstadtnahen Wohnsiedlungen mit Einfamilienhäusern der Bautyp deutlich näher an einem der moderne verpflichteten Bungalowstil orientiert ist als am Typ ‘Landhaus mit Giebeldach’.

Insgesamt bleibt der Einrduck einer zum einen stark ‘übertünchten’ Innenstadt, mit der (wohl) urprünglich der klassischen Moderne zugehörigen Farb- und Materialkomposition. (Plus lokaler Bezugnahme in der Farbigkeit an den beschriebenen Putz- und Holzverkleidungsfläche, dort wo die Gebäude aus welchen Gründen auch immer noch in einem ‘ursprünglichen’ Zustand erhalten sind.)

Die Ringe um die Innenstadt mit mehrgeschossigen Wohngebäuden und/oder Einkaufszentren erscheinen trotz einer hellen bis weißen Grundfarbigkeit nicht zu letzt durch die Materialwahl und Akzentuierung deutlich entkoppelter und beliebig, während die Einfamilienhaus-Viertel wiederum am stärksten einen Bezug zum bislang beobachteten ‘ländlichen’ Farb- und Materialkanon herstellen obgleich die Bautypen sich stark unterscheiden können.

Materialität:
Ich verkürze die Beschreibungen ab jetzt um vor allem die Unterschiede zu den bereits beschriebenen Orten herauszuarbeiten.

Hier fällt vor allemn auf, dass die innerstädtische Fußgängerzone und das angrenzende Gebiet ‘im Rentierkopf’ an vielen Punkten kaum noch Bezüge zur ländlichen Material- und Farbgebung aufweist: Blech, Putz und Ziegelverkleidungen überwiegen. Vor allem die Heterogenität der Materialien, Texturen und Strukturen ist augenfällig. Man erahnt lediglich die Kohärenz der überbauten und neu verkleideten Fassadengestaltungen.

Die mehrgeschossigen Wohnsiedlungen im ersten Gürtel sind realtiv stereotyp entweder verputzt oder verklinkert, die Materialakzentuierungen ergehen sich analog zu den bei auch bei uns verwendeten Materialien, also meist in Blech- und Holzappliktionen und -Bedeckungen.

Die Materialität ist zweifelsohne ‘städtischer’ aber dadurch auch gewissermaßen beliebiger, oder besser vorhersehbarer.

Eine Sonderrolle nehmen die innerstädtischen Bauten Alvar Aaltos ein, die auf Grund ihrer Funktion natürlich auch eine Sonderrolle in der Fassadenmaterialität ‘vertragen’. Rathaus, Bibliothek und ‘Lappia-Halle’ sind mit teils glasierten Keramikfliesen in sehr aufwendiger und detailreicher Verlegearbeit verkleidet.
Aaltos Wohnsiedlungen, weiter vom Zentrum entfernt, sind allesamt in weiß gestrichenem Mauerwerk oder weiß verputzt errichtet.