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Tampere, Finnland

Tampere, Finnland

Aufgenommen am 06.06.205

Stadtstruktur:
Da dies Notizen von der Reise sind, kann ich auch beruhigt schreiben wie eindrücklich eine große Stadt daher kommt, wenn man nunmehr seit gut 20 Tagen in einem recht kleinen Gefährt in der Weite Finnlands unterwegs ist. Selbst eine für unsere Verhältnisse mittelgoße Stadt wie Tampere wirkt im ersten Moment deutlich urbaner und irgenwie größer als man es erwarten würde.

Und so ganz von der Hand zu weisen ist dieser Eindruck von Größe auch auf den zweiten Blick nicht, denn auch hier ist die Innenstadt in einem orthogonalen Raster angelegt welches durch große Teile in Blockrandbebauung ebenso urban wirkt wie die erstaunlich mondänen äteren Architekturen, die klassizistische, Gründerzeit- und auch Jugenstilelemente aufweisen.

Achsial angelegte, weite Straßenräume, große Plätze, Parks und Grünanlagen…das ganze Instrumentarium halt.

Aber eine Besonderheit Tamperes ist für meine Begriffe wirklich bemerkenswert: Entlang des Kanals zwischen den Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi gibt es ein Band größerer Fabrikbauten aus der vorletzten Jahrhundertwende von denen einige neuen Nutzungen zugeführt wurden (Museen, Startup- und Kreativräume, Gastronomie etc.) aber andere noch produzieren. Und dies in absolut prominenter Innenstadtlage.

Einer der für meine Begriffe charaktervollsten Orte der Innenstadt Tamperes liegt am südlichen Ende des Kanals. Gegenüber vom Fußballstadion, an einem kleinen Hafenbecken und in Nachbarschaft zu einer Papierwaren(?)-Fabrik hat sich ein Stadtraum gehalten oder entwickelt, der eine gleichfalls urban und für diese Stadt eigenständig wirkt. Vergleichbare Orte entlang des Kanals ‘Tamerkoski’ sind stärker überformt, ‘geglättet’ worden und finden sich auch in anderen ehemaigen Industriestandorten. Ob und wie weit hier Gentrifizierungsprozesse zur Glättung und Anpassung des Stadtbildes geführt haben kann ich natürlich nicht verlässlich behaupten, einige Marker, insbesondere rund um die ‘Kreativfarbriken’ weisen aber schon stark darauf hin. Insbesondere die Kombination von Kreativindustrie-Arbeitsplätzen, neu geschaffenen Wohnquatrieren (Rund um Aufnahmepunkt 1 und 2) und entsprechender Lifestylegastronomie sind schon recht bezeichnend.

Ebenfalls bemerkenswert und überaus schön in einer Parkanlage angelegt ist das Arboretum im südlichen Stadtteil Hatanpää am Ufer des Pyhäjärvi.

Farbigkeiten und Materialität:
Fast erwartungsgemäß und dennoch ein wenig überraschend diversifiziert sich die farbige Identität der Stadt, vor allem im Innenstadtbereich, zunächst einmal gefühlt in Richtung Grau- und Weißtöne mit scheinbar belang- oder zusammenhangslosen Akzentuierungen, jenseits der den Innstadtbereich dominierenden Backstein-Fabrikbauten.

Nach einem ersten überfliegen der Aufnahmen fällt allerdings auf, dass dieser Einrduck in den von mir untersuchten Gebieten täuscht.

Es scheint eher so zu sein, dass vor allem Braun, Sand und Gelb- bis Ockerfarben neben den allgegenwärtigen Backsteinfärbungen am häufigsten die Fassaden prägen.

Um den Innenstadtbereich ziehen sich im Nord-Süd Untersuchungsgebiet zunächst einmal mehrgeschossige Wohnbauten verschiedener Baujahre, hier konnte ich auf den ersten Blick feststellen, dass die älteren Geschoßwohnbauten in der Summe häufiger die blau, rot und hellbraunen Akzentuierungen der ‘ländlichen’ Farbräume tragen als die neueren, teils zeitgenössichen Architekturen. Wobei zwei relativ neue Wohnbauensembles (an der Ratinankatu Straße, Untersuchungspunkt ‘5’ und an der Verstaankatu, Untersuchungspunkt ‘1’) sich hier wiederum stärker an den ‘typisch’ genannten Farbigkeiten und Materialitäten orientieren.

Einen Außreisser in jedweder Hinsicht stellt das Wohnviertel ‘Vihilahti’ (Untersuchungspunkt ‘7’) dar, die Siedlung zitiert in Nähe einer weiteren Backsteinfarbrikation Stilelemente der Postmoderne ohne originär postmoderne Architekturen zu sein. Vielmehr fühlt sich die Architektur wie eine halbverstandene Remineszenz an die Postmoderne an, garniert mit bonbonfarbenen Putz und Keramikflächen in wahllosen Geometrien. Skurril und eigen, aber ohne architektonische Qualität.

Suburbia, Gewerbegebiete und die Haupteinfallstraße sind analog zu bereits beschriebenen Gebieten, daher verzicchte ich auf eine Wiederholung.

Der Hauptbahnhof, zentral und an der Hauptachse zur Innenstadt gelegen, ist trotz Lage und Größe bis auf einen Sichtbeton-Uhrenturm erneut auffällig unauffällig. Leider ist der an sich elegante Uhrenturm mit Leuchtreklame versehen worden, was ihn dadurch zum Betonpfosten degradiert und ihn seiner architektonischen Identität beraubt.

Am Rande bemerkt ist ein Hang zur Keramikverkleidung an mehrgeschossigen Bauten festzustellen.